Mikrofone & Technik für Podcaster

Jeder, der den steinigen Weg der 80er-Homerecording-Freaks hinter sich hat kann ein Lied davon singen, von der Unmöglichkeit, Gesprochenes in den Computer zu bekommen. Zunächst war es der Atari, welcher zumindest die MIDI-Welten ins Heimstudio brachte und dann hörte man nur von unglaublich großen Maschinen, welche angeblich die Stimme digitalisieren können ...

Mit der Jahrtausendwende wurde dann dieses Sience-Fiction-Märchen immer greifbarer und was anfangs von dicken Kästen mit Reglern und Schaltern ermöglicht wurde, kann mittlerweile ein Kabel ...

Ein Podcast lässt sich prinzipiell auf zwei verschiedene Möglichkeiten erstellen: in der Live-Simulation (also derart, dass die Sprechertexte als Fließtext ohne Unterbrechung „eingelesen“ werden oder als geschnittenes Projekt, indem Störgeräusche, Versprecher oder ganze Passagen gelöscht und mit Geräuschen, Effekten und Musik gemischt werden. Beide Methoden haben ihren ganz eigenen Reiz und beide Methoden bergen gewisse Tücken.


Für daheim Gebliebene – oder die Einsprechvariante
1_powerbook
Hierfür wird das computereigene, also das eingebaute Mikrofon verwendet. Gerade das, welches im PowerBook eingebaut wurde, klingt – für einfache und schnell Produktionen – wirklich brauchbar. Arbeitet man allerdings lange und ausgiebig mit GarageBand und verlangt ein wenig was von der Maschine ab, so schaltet sich schnell der Lüfter ein, welcher Störgeräusche mit sich bringen kann, so dass die ganze Aufnahme nach „Trockenhaube mit Staubsauger“ klingen kann ...

An den Line-In lässt sich darüber hinaus ein externes Mikrofon anschließen. Auch hier kann man die Ergebnisse als durchaus ausreichend bezeichnen. Sie klingen nicht nach „großem Tonstudio“ und sind dennoch um einiges besser als das, was die Vierspurgeräte der 80er Jahre geliefert haben (und die durchaus ihre Berechtigung hatten!).


Für rasende Reporter – oder: die externe Variante
2_ipod
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, mit einer externen Tonquelle aufzuzeichnen und diese dann anschließend in Audacity bzw. GarageBand weiter zu bearbeiten. Hierfür eignet sich prinzipiell jedes Aufnahmegerät und theoretisch sogar der gute alte Kassettenrecorder, den man dann nach getaner Arbeit mit dem Line-In des Computers verbindet, welcher dann in den Aufnahmemodus versetzt wird und das Abgespielte digitalisiert. Ein wenig eleganter wird die Sache, wenn man das iTalk von Griffin für den iPod benutzt. Das Mikrofon wird einfach aufgesteckt, man zeichnet auf und hat somit das Tonmaterial für den PodCast.

Günstiger und somit für mehrere Schülerhände (-ohren und -zungen) beschaffbar sind MiniDisc-Recorder. Diese liegen bei vielen Schülern, Eltern oder Geschwistern noch rum und werden nicht mehr benötigt. Darüber hinaus lassen sie sich bei eBay günstig ersteigern. Der Vorteil ist, dass man sich durchaus mehrere solcher Geräte leisten und somit mit verschiedenen Reporterteams arbeiten kann.

3_mikro
Hierbei sollte man darauf achten, dass diese Recorder auch einen Mikrofoneingang besitzen, da dieser verstärkt ist; er ist in der Regel rot.
Gute Erfahrungen haben wir mit dem Sony MZ-R37 gemacht, welcher nur noch gebraucht und in der Regel für ca. 30 Euro zu haben ist. Als Mikrofon setzen wir in der Regel das Sony ECM-MS 907 ein, ein Stereomikrofon, welches (zurecht!) nach wie vor gebaut wird, da es wirklich im „oberen Soundsegment“ mithält. Es kostet neu in der Regel um die 100 Euro.


USB – oder: die Gebete wurden erhört
4_samson_usb
Musste man noch letztes Jahr (!) spezielle Audio-Interfaces (diese kleinen Kästchen, auf die wir später noch genauer zu sprechen kommen) an dem Computer anschließen, so eröffnet sich seit Ende letzten Jahres ein ganz neuer Horizont: die USB-Mikrofone. Bislang gibt es erst zwei und beide sind gut.

Das Samson C01U ist ein Großmembran Kondenstaor Mikrofon, welches via USB-Kabel mit dem Computer verbunden wird. Es ist mit ca. 80, Euro als durchaus erschwinglich zu bezeichnen und liefert hierfür nahezu Unfassbares. Ohne zusätzliche Geräte ist es hiermit möglich, in äußerst hoher Qualität aufzuzeichnen. Als „reines Plug-and-Play“-Gerät macht es gerade am Mac richtig viel Spaß, da es wirklich nach der Devise „rein-und-los“ funktioniert.

Die optionale Spinne (sie kostet noch mal ca. 50,- Euro) ist vor allem dann sinnvoll, wenn man mit mehreren Leuten an einem Tisch sitzt, da hiermit Stoßgeräusche abgefangen werden können. Darüber hinaus erhält das Mikrofon gerade hiermit den echten „Studio-Look“ ...

5_blue
Nicht nur in Sachen Optik – auch im Sound bildet der Snowball eine nahezu exotische Ausnahme. Zugegeben, dieses Mikrofon ist nicht gerade „günstig“ – aber es ist in Sound, Handling und im Design bislang einzigartig. Zum einen ist der „Plug-and-Play-Spaß“ hier noch größer – das Mikrofon benötigt keine Treiber – zum anderen macht die Tatsache, dass man die Mikrofonkapsel derart einstellen kann, dass das Mikrofon von allen Seiten aufnimmt und es somit in der Mitte eines Tisches platziert werden kann, es vor allem für Schulproduktionen äußerst interessant.

Der amerikanische ADE Ted Lai hat einen direkten Klangvergleich dreier USB Mikrofone angestellt. Zum einen nutzt er den Snowball, zum anderen das Samson C01U und zum dritten ein (mir unbekanntes) USB-Headset von Logitech. Den direkten Klangvergleich kann man sich auf Ted Lais Website anhören.



FireWire – oder: dem Studio auf der Spur
Ist man bereits stolzer Besitzer eines guten Mikrofons (im Idealfall sogar ein Großmembran-Mikrofon), so muss die Frage nach Sinn und Unsinn von Neuanschaffungen nicht mehr diskutiert werden: das Mikro muss irgendwie an den Rechner. Hierfür gibt es seit einiger Zeit eine ganze Reihe von USB- und FireWire-Geräten, Interfaces, welche nur für Audio sind, solche, die Midi und Audio kombinieren, Geräte für zwei, drei, vier oder sechs Mikrofone usw. Hier haben wir uns für eines entschieden, das wir beide benutzen und von dem wir beide behaupten, dass es empfehlenswert ist.


Lagerfeuer – für Solisten
6_solo
Das FireWire-Audiointerface Solo von M-Audio stellt wohl das zuverlässigste Gerät für Einsteiger dar. Versehen mit einem symmetrischen Eingang, welcher mit Phantomspeisung versehen ist, lässt sich jedes Mikrofon daran anschließen; über die Klinkenbuchse kann man darüber hinaus noch Instrumente einspielen. Für etwas mehr als 200,- Euro erhält man hier ein Universal-Gerät, welches noch gut in die Schultasche passt, zuverlässig ist und aus nahzu jedem Computer ein interessantes kleines Studio zaubert.


Schwelbrand – für die ganze Meute
Wer’s ein wenig fetter mag und keine Angst vor bösen Reglern hat, sollte sich die Helix Board Reihe von Phonic anschauen.
7_phonic
Das kleinste, das Helix Board 12 erscheint zunächst als kleiner, übersichtlicher Mixer, der durch seine Vielfältigkeit überrascht. Das Gerät hat wirklich hochwertige Mikrofonvorverstärker und liefert für etwa 400,- Euro einen ernst zu nehmenen Sound; ich behaupte von „großen Studioproduktionen“ überhaupt nicht mehr zu unterscheiden. GarageBand erkennt sofort die einzelnen Kanäle an, so dass man hier mit verschiedenen Mikrofonen und/oder Instrumenten auf zehn gleichzeitig Spuren aufnehmen kann. Die FireWire-Verbindung belastet im Gegensatz zum USB-Pult den Prozessor nicht mit so dass man richtig Gas geben kann.
Und dann ist das 12er ja das kleinste in der Reihe ...